Aufgeklärter Absolutismus

Friedrich II. und der aufgeklärte Absolutismus

Friedrich II. gilt als der wichtigste Vertreter des aufgeklärten Absolutismus. Im Unterschied zum höfischen Absolutismus, der Monarchieform, wie sie beispielsweise in Frankreich existierte, wo der Herrscher als von Gott eingesetzt über der Kirche sowie der Gesetzgebung, Exekutive und dem Gerichtswesen stand, war Friedrich II. von den Idealen der Aufklärung geprägt.
Doch erst die Monarchieform des Absolutismus ermöglichte Herrschern wie ihm, das neue Denken der Aufklärung zu forcieren.

Da Friedrich II., als König mit uneingeschränkter Macht eine Freundschaft mit dem französischen Philosophen Voltaire pflegte, nahm er die Ideale der Aufklärung an. Voltaire verbreitete die Idee des aufgeklärten Absolutismus auch in Österreich unter Joseph II., der ebenfalls mit ihm in Kontakt stand. Die Aufklärung prägte als neue Geistesbewegung das Europa des 18. Jahrhunderts und formte eine Strömung, die sich von der Zentrierung auf Gott entfernte und ein vom Humanismus ausgehendes naturwissenschaftliches Weltbild beeinflusste. Im Zuge dessen wurden religiöse Dogmen kritisiert und Werte wie Toleranz, Gleichheit, Bildung und geistige Freiheit propagiert.

Friedrich der II. verkörperte nicht mehr alle drei Staatsgewalten: Als aufklärerischer Herrscher gab er die Judikative aus der Hand.

Friedrich der II. verkörperte nicht mehr alle drei Staatsgewalten: Als aufklärerischer Herrscher gab er die Judikative aus der Hand.

Die ihm von Voltaire vermittelten Ideale der Epoche der Aufklärung flossen in Friedrichs Verständnis der Regentschaft maßgeblich ein. Vor allem in Reformen des Justizwesens, die er setzte, war Voltaires Einfluss deutlich nachzuvollziehen. Friedrich II. sah sich als Herrscher des aufgeklärten Absolutismus, im Unterschied zu denen des höfischen Absolutismus, die die Jurikative verkörperten, als der, wie er selbst es bezeichnete „erste Diener des Staates“. In dieser Rolle gab Friedrich II. die Jurikative aus der Hand, um die Urteile der Gerichte lediglich zu überwachen und gegebenenfalls zu revidieren. Unter Friedrich II. wurde die Folter abgeschafft und die Todesstrafe wesentlich eingeschränkt. Der Strafvollzug wurde humanisiert und eine neue Prozessordnung eingeführt, was zur Folge hatte, dass die Strafen in deren Ausmaß nun im Verhältnis zur Schwere der jeweiligen Verbrechen standen.

 
Darüber hinaus verstand sich Friedrich II. als Herrscher des aufgeklärten Absolutismus vor allem für das Wohl aller Einwohner verantwortlich, ungeachtet der Gesellschaftsschicht, der sie angehörten. Um allen Bürgern, auch denen der niederen Schichten bessere Chancen zu ermöglichen, wurden die Volksschulen ausgebaut, die Bildung für Lehrer wurde verbessert und die allgemeine Schulpflicht eingeführt. Unter Friedrich II. wurde entgegen der allgemeinen Praxis des höfischen Absolutismus die Zensur gelockert, was der Kunst und Wissenschaft bessere Entfaltungsmöglichkeiten bot. Auch der Ausbau der Preußischen Akademie der Wissenschaften für intensivere Forschung fällt in seine Regierungszeit.
Darüber hinaus zeigte der protestantische König auch die ihm von Voltaire vermittelten Werte von Toleranz gegenüber anderen Religionen durch die Errichtung der katholischen Hedwigskirche in Berlin.